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1988.01.25 Recital, Hamburg Opera Stablile: Daniel Sarge

Opera Stabile, Staatsoper Hamburg

25(?) January 1988

Simon Keenlyside, baritone

Danile Sarge, piano

Lieder by Schubert, Wolf, Mahler

and

Ravel: Don-Quichotte-Chansons and Histoire naturelle

Sound bites

Sabine Tomzig, Hamburger Abendblatt, 26.1.1988

Keenlysides Start in der Stabile

Als unbekannter junger Sänger einen Liederabend mit einem unpopulären Programm zu starten, das will etwas heißen! Für Simon Keenlyside (26) wurde dieses Debüt in der Opera stabile ein großer Erfolg. Dabei hatte es sich der gebürtige Londoner nicht leicht gemacht. Kein einziges Lied in seiner Muttersprache stand auf dem Programm. Aber er wußte, was er riskierte.

Hier stellte sich ein stilsicherer Belcantosänger vor, dessen Stimmkultur die englische Chortradition geprägt hat. Zielstrebig gelangte der Sängerknabe über das Studium aufs Wettbewerbs-Podium. Den doppelten Preisträger holte Prof. Liebermann in sein Nachwuchs-Ensemble. Erste Rolle: Mozarts Graf Almaviva.

Im ersten Teil Schubert, Wolf, Mahler – als hätte Keenlyside die schwersten Brocken aus seinem Wettbewerbs-Repertoire aneinander gereiht. Bei der Vielseitigkeit der Inhalte vertiefte er sich vor allem ins Melancholische, traf den verzweifelten Ernst bei Schubert, die schmerzliche Sinnlichkeit bei Wolf, den gebrochenen Leidenston bei Mahler. Nur selten fand er den befreienden Ausdruck knabenhafter Schwärmerei oder lächelnder Nachdenklichkeit.

Die Verständlichkeit der deutschen Texte war vorbildlich, bewundernswert auch die Sicherheit von Phrasierung und Artikulation. Doch erst auf Französisch, bei Ravel, kam Keenlysides traumhafte Legato-Deklamation optimal zur Geltung. Sich mit den drei effektvollen Don-Quichotte-Chansons temperamentvoll freizusingen, um dann genüßlich auf die deklamatorischen Finessen der “Histoire naturelle” hinzuweisen, das zeigte auch die Art, wie sich der junge Künstler selbst einschätzt. Ein wundervolles Finale, diese fünf Tiergeschichten (Pfau, Grille, Schwan, Eisvogel, Perlhuhn) nach Jules Renard: Was darin an Poesie, Ironie und Parodie steckte, das brachte der junge Interpret mit seinem fein pointierten, intellektuell belichteten Vortrag elegant heraus. Nur reichte hierfür die Klangphantasie des sonst annehmbar begleitenden Pianisten Daniel Sarge nicht mehr ganz aus.

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