2010.05.07 Recital, Musikverein, Vienna: Graham Johnson
Recital
7 May 2010
Musikverein, Vienna
Simon Keenlyside
Graham Johnson
Franz Schubert
“Orpheus”, D 474
“Der Tod und das Mädchen”, D 531
“Daß sie hier gewesen”, D 775
“An den Mond in einer Herbstnacht”, D 614
Hugo Wolf
“An eine Äolsharfe”
“Um Mitternacht”
“Auf ein altes Bild”
“Wo find ich Trost”
“Fußreise”
“Lied eines Verliebten”
“Der Jäger”
Interval
Johannes Brahms
“Nachtigallen schwingen”, op. 6
“Verzagen”, op. 72/4
“Über die Heide hallet mein Schritt”, op. 86/4
“An eine Äolsharfe”, op. 19/5
“Auf dem Kirchhofe”, op. 105/4
“Wir wandelten”, op. 96/2
“Von ewiger Liebe”, op. 43/1
“An die Nachtigall”, op. 46/4
“Es schauen die Blumen”, op. 96/3
“Nachtwandler”, op. 86/3
“Abenddämmerung”, op. 49/5
Encores
Franz Schubert:
“Der Einsame”
“L’incanto degli occhi”
“Geheimes”.
What the critics say
Gerhard Kramer, Wiener Zeitung, 10.5.2010
translation will follow as soon as possible
Ende gut, dann ist alles gut
Genau genommen begann der erste der beiden Liederabende, die Simon Keenlyside am Wochenende im Musikverein absolvierte, erst nach der Pause. Zwar durfte man sich schon zuvor an seiner gewohnt intelligenten Gestaltung und insbesondere auch an seiner makellosen Diktion erfreuen. Doch wirkte sein Bariton zuweilen unausgeglichen, ja rau, war seine Tiefe nahezu unhörbar; und überraschend robust klang da auch die Begleitung des hochgeschätzten Graham Johnson am Steinway.
Nicht voll zur Geltung kamen unter diesen Umständen sieben der schönsten Mörike-Lieder von Hugo Wolf, die doch als Beitrag zu einer längst fälligen Hugo-Wolf-Renaissance hochwillkommen waren. Und dass selbst ein Franz Schubert nicht nur überragende Geniestreiche schrieb, das hatten schon zu Beginn zwei seiner vier Lieder gezeigt.
Bei einer facettenreichen Auswahl aus Johannes Brahms war dann die Welt wieder in Ordnung. Da ließ Keenlyside sein angenehm timbriertes Material frei und klangvoll strömen, durchsetzt von reizvoll gesponnenen Piano-Phrasen und garniert mit raffinierten Höhenflügen der Voix mixte.
Auch der Pianist schlug jetzt eine sensiblere Gangart ein; “Auf dem Kirchhofe” oder “Von ewiger Liebe” markierten hier die Höhepunkte. Und im Zugabenteil kam auch der verschmitzte Humor des Sängers zu seinem Recht. Ende gut, alles gut – das dachte offenbar auch das überaus animierte Publikum.


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